Stellungnahme der UWG zur Entscheidung für den Neubau der Brictiusschule

Wie kam es zu der Entscheidung des Neubaus?


  • Gesetzlicher OGS-Anspruch sukzessive ab dem Schuljahr 2026/27
  • Die bestehenden Gebäude stammen zum großen Teil aus den 40er- und 50er-Jahren und sind nach statischer Prüfung für einen Umbau bzw. Erweiterungsbau ungeeignet
  • Eine Teilsanierung der Schule löst die strukturellen Probleme nicht dauerhaft
  • Ein vollständiger Neubau ist langfristig wirtschaftlicher als Stückwerk.
  • Moderne Schulkonzepte brauchen moderne Räume.
  • Die Investition stärkt Schöppingen als familienfreundlichen Standort.


15 Millionen Euro sind viel Geld. Aber eine gute Schule für die nächsten 40 Jahre ist mehr wert als eine halbe Lösung für 10 Jahre.


Die UWG Schöppingen steht ausdrücklich hinter der Ratsentscheidung zum Neubau der Brictiusschule und zur Umsetzung einer „Schule der Zukunft“.


Mit dem nun beschlossenen Entwurf werden erstmals der 
gesetzliche OGS-Anspruch ab dem Schuljahr 2026/27, ein modernes pädagogisches Konzept sowie eine zukunftsfähige Lern- und Betreuungsstruktur in einem ganzheitlichen Ansatz zusammengeführt. Dieser Entwurf ist nicht kurzfristig entstanden, sondern das Ergebnis eines jahrelangen gemeinsamen Prozesses, an dem Verwaltung, Schulleitung, Politik und alle Fraktionen beteiligt waren. Es lag ein vollständiger, fachlich ausgearbeiteter Entwurf vor, der alle Anforderungen berücksichtigt. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Luxus- oder Prestigebau, sondern um einen notwendigen, schulalltagstauglichen und funktionalen Neubau, der die heutigen und zukünftigen Anforderungen an Unterricht, Betreuung und pädagogische Arbeit sinnvoll und dauerhaft abbildet.


Alternativen wurden im Laufe der Diskussion durchaus betrachtet, erwiesen sich jedoch bei genauer Prüfung als 
nicht tragfähig. So wurde unter anderem die Umnutzung des ehemaligen Aktivbaumarktes als OGS-Standort diskutiert. Diese Lösung hätte erhebliche bauliche und finanzielle Aufwendungen erfordert, da das Gebäude weder baulich noch konzeptionell für schulische Nutzung ausgelegt ist. Zudem wäre kein zusammenhängendes Schulkonzept entstanden: Kinder hätten die Straße queren müssen, während der sanierungsbedürftige Altbestand der Grundschule weiterhin genutzt worden wäre.

Darüber hinaus wurde auch die Möglichkeit diskutiert, Teile des Altbestandes weiter zu nutzen und den zusätzlichen Raumbedarf schrittweise über eine modulare Bauweise zu decken. Diese 
„Step-by-step“-Lösung hätte jedoch bedeutet, dass Planungen immer wieder neu angefasst werden müssten. Erfahrungsgemäß führt dies nicht zu Einsparungen, sondern zu höheren Gesamt- und Folgekosten, unter anderem durch wiederholte Ausschreibungen, steigende Baupreise und ineffiziente Bauabläufe. Hinzu kommt, dass ein dauerhaftes Bauen im laufenden Schulbetrieb den Schulalltag der Kinder immer wieder durch Baustellen beeinträchtigt hätte. Auch auf diesem Weg wäre kein geschlossenes, einheitliches pädagogisches Gesamtkonzept entstanden.


Auch innerhalb des Schulstandortes wurden verschiedene bauliche Varianten geprüft. Ein früherer Entwurf sah ausdrücklich vor, den Altbau aus den 1950er Jahren (Aula- und Sanitärbereiche) in eine Neustruktur einzubeziehen. Im Zuge von Probeschachtungen und einer vertieften statischen Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass der tatsächliche bauliche Zustand dieses Gebäudeteils erheblich von den Bestandsunterlagen abwich. Es wurden 
massive statische und konstruktive Mängel festgestellt. Der Architekt machte deutlich, dass der Lebenszyklus dieses Gebäudes längst überschritten ist und Eingriffe in die Statik mit nicht kalkulierbaren Kostenrisiken verbunden wären. Aufgrund dieser fachlichen Erkenntnisse und der zu erwartenden deutlich höheren Kosten wurde dieser Entwurf bewusst und nachvollziehbar verworfen. Erst auf dieser Grundlage entstand der nun beschlossene Entwurf, der konsequent auf eine nachhaltige, sichere und langfristig tragfähige Lösung setzt.


Im weiteren Prozess fand zudem ein 
gemeinsamer Besuch der Grundschule in Legden statt, an dem Mitglieder aller Fraktionen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Dort wurden moderne Schulstrukturen, pädagogische Abläufe und Raumkonzepte vorgestellt und von der Schulleitung detailliert erläutert. Viele der dort gewonnenen Eindrücke und Ideen sind in das nun beschlossene pädagogische Gesamtkonzept eingeflossen und wurden bei der Planung ausdrücklich berücksichtigt.


Auch die Nutzung der Mensa des Schulcampus am Berg wurde diskutiert. Diese hätte jedoch täglich zusätzliche Wege für die Kinder bedeutet, inklusive Betreuung beim Hin- und Rückweg, und hätte ebenfalls 
kein geschlossenes pädagogisches und organisatorisches Konzept ermöglicht. Alle diskutierten Alternativen hätten nur stückweise funktioniert – keine davon hätte die Voraussetzungen geschaffen, um Bildung, Betreuung, Lernen und OGS in einem einheitlichen, zukunftsfähigen Gesamtkonzept abzubilden. Alternativkonzepte mit vergleichbarer Qualität und Zukunftsfähigkeit gab es daher nicht.


Bildung darf dabei 
keine reine Kostenfrage sein, sondern muss eine Herzensangelegenheit und eine Investition in die Zukunft unserer Kinder und unserer Gemeinde sein. Wer heute an Bildung spart, riskiert morgen höhere Kosten – finanziell wie gesellschaftlich.


Schöppingen verfügt über eine 
starke und ausgewogene Infrastruktur: gut aufgestellte Kindergärten, künftig eine moderne Grundschule, den leistungsfähigen Schulcampus am Berg im Schulzweckverband mit Horstmar bis in die gymnasiale Oberstufe, ein vielfältiges Vereinsleben, ein Hallenbad sowie eine breit aufgestellte Gewerbestruktur mit Ausbildungs- und Arbeitsplätzen vor Ort. Diese Kombination macht Schöppingen attraktiv für Familien, Ehrenamt und Wirtschaft und ist ein wesentlicher Standortvorteil.


Richtig ist auch: Die Finanzierung eines Projekts dieser Größenordnung ist eine große Herausforderung. Es wäre unehrlich, dies zu verschweigen oder kleinzureden. Die UWG Schöppingen steht für einen offenen und sachlichen Umgang mit den Fakten. Bund und Land – auch Nordrhein-Westfalen – übertragen immer mehr Aufgaben auf die Kommunen, ohne eine ausreichende finanzielle Ausstattung sicherzustellen. Wir fühlen uns hier als Kommune vielfach alleingelassen. Dennoch dürfen wir nicht die Fehler der großen Politik wiederholen: Über Jahre hinweg wurden notwendige Investitionen aus Gründen vermeintlich solider Haushalte verschoben. Das Ergebnis sehen wir heute bundesweit in maroden Straßen und Autobahnen, sanierungsbedürftigen Schulen und einem angeschlagenen Gesundheitssystem. Der entstandene Investitionsstau ist kaum noch beherrschbar und am Ende deutlich teurer als rechtzeitiges Handeln. Diesen Weg der Flickschusterei wollen wir in Schöppingen bewusst nicht gehen.


Stattdessen setzen wir auf 
verantwortungsvolle Investitionen zum richtigen Zeitpunkt. Dabei halten wir es für falsch, in der politischen Debatte Ängste zu schüren, indem suggeriert wird, die Gemeinde werde sich künftig notwendige Projekte, freiwillige Leistungen oder sogar den Betrieb des Hallenbades nicht mehr leisten können oder in eine Haushaltssicherung geraten. Solche Argumentationen helfen nicht weiter und werden der tatsächlichen Haushaltslage nicht gerecht.


Schöppingen verfügt über einen 
gut aufgestellten Haushalt, der auf einer verantwortungsvollen Haushaltsführung in der Vergangenheit und einem gesunden Gewerbemix beruht. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass die kommenden Jahre noch mehr Augenmaß, Sachverstand und Prioritätensetzung erfordern werden. Diese Investition ist außergewöhnlich – aber sie ist notwendig, richtig und langfristig tragfähig.


Die UWG Schöppingen steht daher klar zu dieser Entscheidung:

für unsere Kinder, für gute Bildung, für eine starke und zukunftsfähige Gemeinde Schöppingen
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